"Stories of rottenness and corruption are always the best stories, aren't they"? (50)
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(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: The White Tiger (Taschenbuch) Oh nein, nicht schon wieder so ein postkolonialer Roman, der der political correctness huldigt und seine Leser davon zu überzeugen versucht, dass Indien ja eigentlich doch viel besser ist als die korrupte westliche Welt. So dachte ich, als am 14. Oktober diesen Jahres Aravind Adigas Roman "The White Tiger" mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Dennoch habe ich mir den Roman zugelegt und erlebte eine große Überraschung. "The White Tiger" ist ein tiefschwarzer und brutal-zynischer Roman, der am Beispiel einer Person in einer so noch nie dagewesenen Offenheit einen Blick auf die korrumpierte Seele eines korrumpierten Landes wirft.

Ich-Erzähler des Romans ist Balram Halwai, der in einem Brief an den chinesischen Premierminister Wen Jiabao die Geschichte seines Aufstieges erzählt, die in einem Slum in der Nähe von Neu-Dheli begann und ihn bis an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie führte. Und dabei wirft Balram einen schonungslosen Blick auf das Leben der zahlenmäßig gigantischen Unterschicht Indiens: "Things are different in the Darkness. There, every morning, tens of thousands of young men sit in the tea shop, reading the newspaper [...] or sit in their room talking to a photo of a film actress. They have no job to do today. They know they won't get any job today. They've given up the fight" (54).

Balram entkommt dem Elend seiner Familie, als der der Fahrer des erfolgreichen Geschäftsmannes Mr. Ashok wird. Nun erlebter hautnah die Spielregeln der Reichen und Mächtigen Indiens. Und da geht es ruppig zur Sache. Bestechung steht auf der Tagesordnung: "We're driving past Ghandi, after just having given a bribe to a minister. It's a fu----- joke, isn't it?" (137) flucht Ashok in einer Mischung aus Erheiterung und Ekel. In Balram wächst Wut, Zorn und Hass auf die Reichen und Schönen und dennoch hat er nur ein Ziel: Es auch in ihre Kreise zu schaffen. Noch zwingt er sich dazu, sich seinem Meister gegenüber stets gehorsam und unterwürfig zu zeigen. Doch seine Gedanken sprechen eine andere Sprache. Als Ashok ihn fragt, was denn wohl der Sinn des Lebens sein könnte, denkt Balram: "The point of living? [...] The point of your living is that if you die, who's going to pay me three and a half thousand rupees a month" (186). Irgendwann wird der Wille zur Macht so groß, dass Balram bereit ist, alles für sein Ziel zu tun.

"The new generation, I tell you, is growing up with no morals at all" (316) lautet Balrams bitteres Fazit wohl über die gesamte Menschheit, welches er anhand der Geschichte seines eigenen Aufstieges fällt. Der Leser verfolgt seinen Bericht mit einer Mischung aus Faszination und Ekel. Seiner illusionslosen Beschreibung der gesellschaftlichen Verhältnisse und deren Regeln, kann man sich einfach nicht entziehen. "The White Tiger" ist für mich der beste Gewinner des Booker Prize seit John Banvilles Roman The Sea. aus dem Jahr 2005.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. November 2008
Kundenrezensionen:
3. "Stories of rottenness and corruption are always the best stories, aren't they"? (50) (die aktuell angezeigte Rezension)
2. great book with an exceptionally strong first chapter
1. Indischer Grimmelshausen?
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